Liederkranz Steinenbronn brilliert gemeinsam mit Partnerchor und Orchester

               Bejubeltes Sinfoniekonzert in der Stuttgarter Musikhochschule

 

„Ein glanzvoller, großer Abend – wer nicht dabei war, hat etwas Einmaliges versäumt!“ So ließ es sich aus den Reihen der fast 500 begeisterten Zuhörer immer wieder vernehmen. Nicht enden wollender Jubel und Standing Ovations belohnten am Sonntagabend die Akteure im herrlichen Konzertsaal der Stuttgarter Musikhochschule: Drei Dirigenten, zwei Chöre und ein Orchester hatten ein spektakuläres Konzertprogramm mit selten gehörten imposanten Werken der Romantik auf die Beine gestellt. Für den Projektchor des Liederkranzes Steinenbronn und seine „ziemlich besten Musikfreunde“ war es eine Sternstunde.

Schon einmal, eine Woche zuvor, war das Konzert in Esslingen aufgeführt worden – mit ebenfalls überschwänglichen Reaktionen des Publikums. Aber wie würde es auf dem etwas schwierigeren Terrain in Stuttgart werden, hatte sich der Vorstand des Liederkranzes Steinenbronn gefragt, der dieses – auch finanziell – nicht unbeträchtliche Wagnis eingegangen war. Als dann aber an der Abendkasse die letzten Karten verkauft waren und sich in der Pause bereits junge Damen für eine Mitgliedschaft in diesem „tollen Chor“ interessierten, war die Last von den Schultern gewichen und man sah nur noch glückliche Gesichter.

Schon seit Februar gab es fast unzählbare Probenstunden – teils an den Wochenenden und gemeinsam mit den Partnern unter anderem auch in Esslingen und an der Universität in Stuttgart. Es war bereits das zweite große Projekt der Steinenbronner mit dem jungen Chor VoicES im Sängerbund RSK Esslingen (RSK steht für einen Stadtteil der Neckarmetropole). Vor etwa fünf Jahren hat man gemeinsam und ebenso erfolgreich den „Messias“ von Händel aufgeführt. Klar, was jetzt am Sonntagabend die so lautstark eingeforderte Zugabe war: das großartige „Halleluja“ aus Händels beliebtem Oratorium.

Begonnen hatte das Konzert mit der Sinfonie Nr. 1 E-Dur op. 26 für Sopran, Tenor, gemischten Chor und Orchester von Alexander Scriabin (1872 - 1915). Fünf Sätze lang gehörte die Bühne anfangs allein der Kammerphilharmonie der Universität Stuttgart unter ihrem 1989 in den Niederlanden geborenen Dirigenten Olivier Pols. Er hat trotz seiner jungen Jahre schon eine lange Liste erfolgreicher Dirigentenauftritte vorzuweisen. Die Orchestermitglieder sind weitgehend keine Profis, sondern hauptsächlich Studenten Stuttgarter Hochschulen. Alexander Scriabins Sinfonie – ein Auf und Ab drängender Musik mit wuchtigen Höhepunkten, Klagelieder der Bläser begleitet von einem Meer seufzender Streicher – fordert ihnen alles ab. Und sie bewältigen es bravourös! Erst am Ende der Sinfonie erheben sich die fast 100 Sängerinnen und Sänger im Hintergrund von ihren Sitzen und geben – ganz in schwarz mit grünen (Steinenbronn) und roten (Esslingen) Accessoires ein eindrucksvolles Bild ab.

Zunächst aber glänzen die beiden unglaublich guten Solisten mit einer Ode an die Kunst, wie auch der Schlusschor in russischer Sprache vorgetragen. Die Sopranistin Tina Stegemann aus Wernigerode und der slowenische Tenor Sebastjan Podbregar bekommen großen und verdienten Extrabeifall. Dann folgt der furiose Schlusschor, buchstäblich begleitet von Pauken und Trompeten – Gänsehaut pur! Und schon der Applaus vor der Pause ist mindestens ebenso furios.

Es folgt so etwas wie eine Atempause, wenn die Chöre mit achtstimmigen A-capella-Motetten von Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809 - 1847) ihr ganzes Können hören lassen. Das „Jauchzet dem Herrn, alle Welt“ ist eine Vertonung von Psalm 100, „Denn er hat seinen Engeln befohlen“ beruht auf Psalm 92. Unter Leitung des jungen VoicES-Dirigenten Jan Croonenbroeck, geboren 1988 in Münster (Westfalen), der nach zweijähriger Tätigkeit als Assistent des Staatsopernchordirektors ab der nächsten Spielzeit als Solorepetitor an der Oper Stuttgart arbeiten wird, schienen sich die Stimmen wirklich engelsgleich emporzuschwingen – ein purer Hörgenuss. Nur wünschte man manchmal den Tenören und Bässen noch etwas Verstärkung. Gerne werden übrigens gerade auch weitere männliche Sänger beim Liederkranz Steinenbronn willkommen geheißen. Der Stammchor mit seinem klassischen und volkstümlichen Repertoire und der junge Chor „SevenEleven44“ mit Gospel, Pop etc. ließen sich an diesem Abend gemeinsam hören, verstärkt um etliche Projektgäste.

Für den dritten Teil des Abends bestieg Patrick Bopp das Dirigentenpult. 1971 in Karlsruhe geboren, ist er bereits seit 1994 musikalischer Leiter des Liederkranzes Steinenbronn und war im Jahr 2000 Mitbegründer des „SevenEleven44“. Weithin bekannt ist er mit seinem A-cappella-Comedy-Ensemble "Füenf", dem er seit der Gründung vor 20 Jahren als Sänger, Texter und Komponist angehört.

Damit zum letzten Werk des Abends (abgesehen von der Halleluja-Zugabe): Georges Bizet (1838 – 1875) schrieb nur ein einziges größeres kirchenmusikalisches Werk, das „Te Deum“für Soli, Chor und Orchester. Die spätere Meisterschaft des durch seine Oper „Carmen“ posthum unsterblich gewordenen Komponisten lässt sich im pomphaften Stil dieses Jugendwerks erahnen. Unter der Leitung von Patrick Bopp wurde dieses lateinische Lob Gottes mit seinen hinreißenden Melodien und den rhythmisch nachschlagenden Akkorden des Orchesters zu einem weiteren glanzvollen Höhepunkt der Aufführung. Sie wird in der Geschichte des Liederkranzes Steinenbronn einen herausragenden Platz einnehmen.

Und um den Anfang noch einmal aufzugreifen: „Wer nicht dabei war, hat etwas Einmaliges versäumt!“ (hd)

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